2. Innovationsforum „Industrie 4.0 – Zukunft der Produktion: Strategien, Technolo-gien, Umsetzungsszenarien“ am TCW - Landkreis Donau-Ries

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2. Innovationsforum „Industrie 4.0 – Zukunft der Produktion: Strategien, Technolo-gien, Umsetzungsszenarien“ am TCW

10.12.2014: Die vierte industrielle Revolution der Produktion wirft in Nördlingen ihre Schatten voraus!

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Die Innovationsoffensive „Industrie 4.0“ liefert derzeit jede Menge Diskussionsstoff. „Ohne Zweifel steht die industrielle Produktion vor einem gewaltigen Umbruch, ausgelöst durch Kostendruck, verschärften Wettbewerb und steigende Produktivitätsanforderungen“ begrüßte Prof. Dr. Markus Glück (Hochschule Augsburg / TCW), einer der Protagonisten der Industrie 4.0, die Tagungsteilnehmer. „Es ist höchste Zeit, sich mit den sich abzeichnenden Herausforderungen und Änderungen auseinanderzusetzen.“ So stand das Forum am Technologie Centrum Westbayern (TCW) unter dem Motto „Zukunft der Produktion: Strategien, Technologien, Umsetzungsszenarien.

In seinem Impulsreferat stellte Prof. Dr. Markus Glück die Leitziele der Industrie 4.0 und den derzeitigen Entwicklungsstand dar. Ziel sei es, Fertigungsanlagen und Roboter so weiterzuentwickeln, dass sie sich im Fertigungsalltag selbst organisieren und optimieren könnten. Das sei keine Zukunftsmusik, warnte Glück, führe aber auch nicht zu einer menschenleeren Fabrik, wie manche Leute zu Unrecht befürchten. Gleichwohl funktioniere vieles schon im Kleinen und die Zusammenführung dieser Technologien mache große Fortschritte. In einer Fallstudie beleuchtete Glück abschließend den Einsatz von Bild geführten Robotern und die Mensch-Maschine-Kooperation.

7 hochkarätige Gastreferenten berichteten im Anschluss aus unterschiedlicher Perspektive über die Leitziele, ihre Herangehensweisen und Umsetzungsstrategien. Ihr Blick richtete sich vor allem auf die Anforderungen an Mittelstands-, Fertigungs- und Zuliefererunternehmen.

Klaus Bauer (TRUMPF, Ditzingen) sieht als eines der zentralen Kernziele die Vernetzung der Maschinen, IT Systeme und Menschen in der Produktion. Der Umgang mit Maschinen werde sich zu einer „Social Machine“ verändern, mit der der Mensch zusammenarbeitet. Das wird für uns bald so selbstverständlich sein wie die Kommunikation unter Menschen in einem sozialen Netzwerk. Durch Sensordatenverknüpfung und Analyse wird der Mensch unmittelbare Hilfestellung zur Optimierung des Fertigungsgeschehens erhalten; am Arbeitsplatz oder über ein Pad im Betrieb.

Dr. Oliver Riedel (AUDI, Ingolstadt) sieht in der intelligenten „ad-hoc Vernetzung“ mit den Maschinen ein immenses Optimierungspotential, das Audi erschließen möchte. „Wir haben bei 53 Modellen und 19 Fertigungsstandorten keine Alternative als neue Wege in der Produktion zu gehen unser Produktionsmanagement mit Hilfe der IT zu optimieren“, führte Riedel ins Thema ein. Keimzellen gebe es zuhauf. Wir brauchen dennoch weitere intelligente Sensorik und Aktorik. Und auch die Automation muss flexibler werden. „Wir setzen heute bereits 240 Varianten von Schweißzangen ein, die wir ganz selbstverständlich mit Werkzeugwechselsystemen an unseren Robotern bedarfsgerecht auswählen.“

Dr.-Ing. Gunther Kegel (Pepperl+Fuchs GmbH, Mannheim) ist Arbeitskreisleiter „Industrie 4.0“ beim ZVEI und sieht die Automatisierungstechnik vor ganz großen Herausforderungen: „Die Digitalisierung wird in der Produktion Wirklichkeit. Sie wird dort – wie im Übrigen alle Lebensbereiche – das Arbeiten vollkommen verändern.“ 6 Milliarden Menschen agierten heute täglich im Internet. Dabei sei vollkommen untergegangen, dass bereits 50 Milliarden Gegenstände heute schon im „Internet der Dinge“ bewegt würden, wenn man nur an die Warenlogistik und Internetshops denke. Zahlreiche Geschäftsprozesse würden vollkommen auf den Kopf gestellt, wie Kegel an Beispielen aufzeigte. Hierbei sieht er den Maschinenbau- und Automationsstandort Deutschland exzellent positioniert. Ausruhen dürfe man sich allerdings keineswegs.

Stefan Hoppe (OPC Foundation Europe, Verl) widmete sich der technischen Umsetzung der Maschinenvernetzung. „Wir brauchen Standards und normierte Schnittstellen“, so sein Plädoyer. Ein Standard an der Schnittstelle von Maschinen zur Unternehmenssteuerung ist OPC-UA. Weiter müssten sich die Programmierstandards in der Steuerungstechnik weiterentwickeln. Das Zauberwort auf dem Entwicklungspfad hieße „serviceorientierte Architekturen“, die es zu realisieren gelte.

Die eher evolutionäre Weiterentwicklung der Produktionslandschaft im Automobilbau rückte Dr. S. Mbang (Daimler AG, Sindelfingen) ins Zentrum seines Gastreferats. Er zeigte auf, wie man im Betriebsmittelbau zum Beispiel beginnen könne, wertvolle Erfahrungswerte zu sammeln.

Oliver Kanzler (EBV Elektronik, Poing) zeigte den heutigen Stand der Halbleiter-Technologien und Funklösungen auf, die zur Vernetzung von Maschinen und Werkstücken benötigt werden. Vor allem von de Erfahrungswerten der Chipindustrie, die seit langem schon elektronisch und vollautomatisch gesteuert würde, könne der moderne Maschinenbau auf dem Weg in die Industrie 4.0 viel lernen.

Den Abschluss des Tagungstags übernahm Alexander Turk (infoteam, Bubenreuth). Er zeigte den aktuellen Umsetzungsstand bei der Realisierung intelligenter Werkstücke aus Sicht eines Softwareentwicklers auf.

Praxis- und Filmvorführungen rundeten die Fachpräsentationen anschaulich ab. Veranstaltungspartner waren die Hochschule Augsburg, die VDI/VDE Bezirksvereine Augsburg und der Cluster Mechatronik & Automation e.V.

Weitere Details - auch zu den nächsten Fachforen - im Internet unter www.tcw-donau.-ries.de oder auf Anfrage, Tel. 09081 8055-100.

 

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema:

Aktuell stehen wir vor dem vierten gewaltigen Umbruch in der produzierenden Industrie. Die Innovationsoffensive „Industrie 4.0“ des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus ist derzeit in aller Munde. Kernelemente sind die Flexibilisierung der Produktionsanlagen sowie die Selbstoptimierung von Maschinen und Robotern während der Werkstückbearbeitung für die „Produktion 2020“.

Als erste industrielle Revolution wird die Einführung mechanischer Produktionsanlagen Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnet. Die zweite industrielle Revolution betrifft die arbeitsteilige Massenproduktion von Gütern mit Hilfe elektrischer Energie (Fordismus, Taylorismus) seit der Wende zum 20. Jahrhundert. Sie mündeten ab Mitte der 1970er Jahre in die dritte industrielle Revolution, die durch neue Materialien, Robotereinsatz und zentrale Steuerungssysteme und vom Einsatz von Elektronik und IT bestimmt war. Sie endete in der flächendeckenden Automatisierung von Produktionsprozessen und wird im Zuge der anstehenden vierten industriellen Revolution in der nächsten Dekade mit dem Internet der Dinge auf der Basis von Cyber-Physikalische Systeme abgelöst.

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Erfahrungsaustausch beim 2. Innovationsforum „Industrie 4.0 – Zukunft der Produktion: Strategien, Technologien, Umsetzungsszenarien“ am Technologie Centrum Westbayern (TCW), Bild links: Diskussion zum Vortrag von Dr. Oliver Riedel (Audi AG, Ingolstadt), Moderation Prof. Dr. Markus Glück